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Arzneimittelverbrauch im Alter – eine Analyse
Die Zunahme des Arzneimittelverbrauchs mit steigendem Lebensalter ist eine bekannte Tatsache. Doch wie verhält sich der Medikamentenbedarf bei älteren Menschen im Vergleich zu anderen Lebensaltersstufen genau und welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen? Nicht nur aber insbesondere für die heimversorgende Apotheke ist es aufschlussreich, sich einmal exaktere Daten zu betrachten.
Die wesentlichen Verbrauchs- und Verordnungsdaten
Die ergiebigsten Quellen für die nach relevanten demografischen Merkmalen ausgewerteten Verordnungsdaten sind der jährlich erscheinende Arzneiverordnungsreport von Schwabe/Paffrath sowie Detailauswertungen des Wissenschaftlichen Instituts der Ortskrankenkassen in Bonn.
Weitere Erkenntnisse sind den Arzneimittelreports der Gmünder Ersatzkasse zu entnehmen, die allerdings auf einer kleineren Datenbasis aufbauen. Die genannten Quellen beruhen ausschließlich auf einer Auswertung der GKV-Verordnungsdaten, mit Schwerpunkt auf Fertigarzneimittel.
Die Analyse der Daten
Einige aussagekräftigen Werte sind in folgender Tabelle zusammengefasst. Die Daten beschreiben den Stand von 2004. An den Relationen dürfte sich jedoch aktuell wenig geändert haben (lediglich die Packungswerte nehmen weiter deutlich zu).
Übersicht Arzneimittelverbrauch nach Alter*
| |||
Altersklasse
| GKV: Ausgaben für Fertigarzneimittel brutto je Versichertem in Euro p.a.
| GKV: Verordnete definierte Tagesdosen DDD je Versichertem p.a. | GKV: Zahl der Verordnungen je Versichertem (= in etwa Packungen) p.a.
|
0 – 19
| 105
| 150
| 6
|
20 – 29
| 110
| 65
| 3
|
30 - 39
| 160
| 100
| 4
|
40 – 49
| 230
| 200
| 5
|
50 – 59
| 410
| 500
| 10
|
60 – 69
| 530
| 700
| 13
|
70 – 79
| 750
| 1000
| 18
|
> 80
| 770
| 1050
| 22
|
*Basis: GKV-Auswertungen des Wissenschaftlichen Instituts der Ortskrankenkassen in Bonn (WIdO), gerundete Anhaltswerte, nur Fertigarzneimittel, Kosten brutto mit Mehrwertsteuer und ohne Abzüge.
Verteilung der Arzneikosten
Die Tabelle zeigt: Absolut benötigen die über 70-Jährigen etwa ein Drittel der Arzneimittelausgaben, sie stellen hingegen nur knapp ein Siebentel der Versicherten. Dagegen sind die Kosten je Tagesdosis im Alter spürbar geringer als bei jüngeren Jahrgängen.
Daten der PKV weisen ähnliche, letztlich sogar noch steilere Relationen auf. Nimmt man hier den Bedarf eines durchschnittlich alten Mannes von 43 Jahren als Bezugsbasis 100 Prozent, so steigt der Aufwand in der PKV für Arznei- und Hilfsmittel in der Spitze bis auf das etwa 6 bis 7-fache ab einem Alter von etwa 75 Jahren.
Verteilung der Wirkstoffe
Von Bedeutung ist weiterhin, auf wie viele Wirkstoffe sich diese Summen aufteilen. Eine Untersuchung der Gmünder Ersatzkasse (GEK-Arzneimittelreport 2006) hat hier erstaunliche Ergebnisse gebracht: So bewegte sich der Anteil der über 70-Jährigen, die 13 (!) oder noch mehr verschiedene Wirkstoffe im Laufe des Jahres 2005 im Rahmen der GKV verordnet bekamen, durchweg zwischen beachtlichen 10 und 20 Prozent der Versicherten. Ein etwas höherer Anteil bekam zwischen 9 und 12, der größte Anteil zwischen 5 bis 8 Wirkstoffe. Zwar werden diese nicht alle parallel genommen, andererseits sind aber privat gekaufte OTC-Arzneimittel und ggf. privat verordnete Rx-Präparate in der GEK-Rezeptauswertung noch gar nicht enthalten.
Verteilung der Indikationen
Bei den Indikationen dominieren erwartungsgemäß mit weitem Abstand Herz-Kreislauf-Mittel sowie die damit assoziierten Diuretika und Lipidsenker, gefolgt von Schmerz- und Rheumamitteln sowie Antidiabetika. Psychopharmaka stellen ebenfalls eine bedeutsame Gruppe.
Konsequenzen für die Apotheke
Da die Packungszahlen im heutigen Honorierungssystem die dominante Rolle innehaben und gerade diese bei Älteren besonders stark zulegen, ist der Personenkreis „70+“ unter Ertragsgesichtspunkten traditionell die bedeutendste Apothekenzielgruppe. Die in diesem Bereich zahlreich verordneten, überwiegend generischen Wirkstoffe sind für den Apotheker ökonomisch hochinteressant. Allerdings wird er damit gleichzeitig vor eine pharmazeutische Herausforderung gestellt, die er zu seinem Vorteil nutzen sollte.
Eine ernsthafte Ergründung der Interaktionsmöglichkeiten von 10 oder mehr Wirkstoffen und vor allem deren praxisrelevante (!) Bewertung bedeutet pharmazeutische Arbeit auf höchstem Niveau. Gerade hier bestehen für die Apotheke noch viele Profilierungsmöglichkeiten.
Hierzu bedarf es allerdings mehr als der bloßen Abfrage entsprechender Datenbanken, die eben nur theoretische Werte liefern. Hier ist exzellente Kooperation mit Ärzten und Heimpersonal und letztlich viel Erfahrung gefragt – also gerade das, was Sie als Fachmann auszeichnet und auch künftig nicht von Automaten oder reinen Logistikern übernommen werden kann.





